Bioshock 2 - Shooter mit Tiefgang oder Knallfrosch mit Wasserschaden?

Nachdem 2K Games mit Bioshock einen Riesenhit landen konnte, war es nur eine Frage der Zeit bis ein Nachfolger in den Regalen liegt. Die große Frage bei einem solch innovativen Titel ist jedoch immer, wie viel Mut und frische Ideen bleiben für den Nachfolger übrig?

Story:


Die Story setzt acht Jahre nach Jacks Mission in Bioshock 1 ein. 1968, wir erwachen als Big Daddy wieder. Zehn Jahre zuvor haben wir versagt und die uns anvertraute Little Sister nicht beschützen können. Wir können uns nicht mehr an die Ereignisse der vergangenen Jahre erinnern. Das Letzte was wir wissen ist, dass Splicer und eine Frau namens Dr. Lamb uns die Little Sister weggenommen haben und wir unter Lambs Kontrolle gezwungen wurden, uns selbst einen Kopfschuss zu verpassen. Warum auch immer wir wieder auf den Beinen sind, als waschechter Big Daddy wollen wir natürlich unsere geliebte Little Sister zurück und nebenbei an Dr. Lamb Rache üben. Diese nutzte unseren langen „Regenerierungsschlaf“ dazu, die Kontrolle über Rapture zu übernehmen. Auf unserem Weg durch die anarchische Unterwasserstadt kämpfen wir uns durch Horden ihrer Splicer.

Spieleindruck:
Es war wenig überraschend, dass das coolste Duo des Bioshock-Universums noch stärker als ohnehin schon, ins Rampenlicht gerät. Der Big Daddy und seine Little Sister, ein ungleiches Paar in totaler Abhängigkeit zueinander. Im ersten Teil wurden wir im Finale zu einem und in Bioshock 2 spielen wir von der ersten Sekunde an den großen starken Beschützer im Taucheranzug. Einen Gesichtslosen, nur noch fähig zu brummen und zu stöhnen. Wortkarg war auch schon der Protagonist aus Bioshock 1, aber anders als diesmal, war man ein Individuum mit dem man sich identifizieren konnte. Man litt mit Jack mit, das klappt bei  Big Daddy „Delta“ nur über weite Umwege. Erst nachdem die Story ein wenig fortgeschritten ist und man sich durch die eher tröge Anfangs-Spielzeit durchgebissen hat, nimmt einen die Geschichte wirklich gefangen. Erst dann beginnt man nicht mehr nur ein anonymes Wesen mit Taucherglocke als Kopf und riesigem Bohrer als Arm zu sehen, sondern einen Vater, der seine geliebte Tochter zurück haben will. Nebenbei erfahren wir über Tagebücher noch mehr Geschichten von Einwohnern der Stadt aus besseren Tagen, als die Utopie noch blühte. Der Stil und die Präsentation halten sich dabei exakt an die Darbietung im ersten Teil. Allgemein hält sich so ziemlich alles an die bewährte Mechanik aus Bioshock 1. So sammeln wir immer noch ADAM und tauschen dies an Automaten gegen Plasmide ein, die man größtenteils auch schon kennt. Mit Feuer, Eis oder Blitzen bekämpfen wir viele bekannte Gegnertypen. Als „Innovation“ kann man da schon die neuen „Big Sisters“ bezeichnen, die am Ende eines Level-Abschnitts zum Kampf warten. Diese sind eine Weiterentwicklung der Big Daddys und punkten gegenüber den Vorgängermodellen durch Schnelligkeit und serienmäßige Plasmid-Upgrades. Ferner gibt es eine neue Splicer-Variation, die „Brute Splicer“. Diese sind bullige Typen, die sich auf ihre pure Muskelkraft und direkte Nahangriffe verlassen – den „Tanks“ aus Left 4 Dead sehr ähnlich. Eine weitere Neuerung gegenüber Teil Eins sind die Außen-Areale, in welchen man auf dem Meeresgrund zum nächsten Gebäude stapft. Diese klingen aber spektakulärer als sie sich spielen, da man sich keineswegs frei im Meer bewegen kann, sondern, noch linearer als das restliche Spiel, im eng abgesteckten Korridor von A nach B marschiert. Passend zur vorherrschenden Innovations-Ebbe ist auch die Grafik nahezu unverändert gegenüber dem über zwei Jahre alten Vorgänger, stellenweise warten sogar sehr matschige Texturen auf das Spielerauge. Bei aller berechtigten Kritik und Enttäuschung, muss man allerdings ganz klar feststellen, dass Bioshock 2 eine sehr atmosphärische Spielewelt bietet – eben exakt so, wie der geniale Vorgänger. Der 30er Jahre Art-Déco-Stil wartet an jeder Ecke mit charmanten Postern und witzigen Videoschnipseln, in der Machart wie man sie z.B. auch aus Fallout 3 kennt. Des Weiteren sind die Sprachausgabe und der Sound super umgesetzt. Natürlich sollte man auch den neuen Multiplayer-Part erwähnen, der jedoch in Zeiten von Modern Warfare oder Battlefield, eher nicht ernstzunehmendes Beiwerk ist. Für ein Setting wie es Bioshock bietet, stellt man entweder einen vollwertigen Co-Op-Modus auf die Beine oder lässt es besser ganz bleiben. Lassen wir das aber mal wohlwollend als „Alibi-Innovation“ gelten.















Pro:
+            Unverändert-tolles Setting
+            Sehr guter Sound und passende Sprecherauswahl
+            Gute Story, die sich nach der ersten Stunde Spielzeit entfaltet
+            Gute Steuerung
+            Alternative Enden
+            Multiplayer-Modus

Contra:
-               Grafik eher Durchschnitt
-               Kaum Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger
-               Story kommt erst spät in Fahrt
-               Durch das Spielen eines stummen Big Daddys entsteht nur schwer eine Bindung zum Protagonisten
-               Sehr linear
-               Multiplayer-, aber kein Co-Op-Modus

Fazit:
Bioshock 2 ist wieder einmal ein „schönes“ Beispiel dafür, wie lähmend es sei kann, wenn der Vorgänger dermaßen gelobt wurde. Mit Bioshock 1 wurde so viel richtig gemacht, dass man sich nun bestenfalls zaghaft traute, etwas zu verändern. So innovativ und mutig Teil Eins war, so uninspiriert und ängstlich ging man im zweiten vor. Sicherlich kein schlechtes Spiel, aber es fühlt sich eher nach einem „Missionspack“ als einem vollwertigen Nachfolger an. Bioshock 2 gehört somit zu der Kategorie „nett, aber überflüssig“ – was fast noch schlimmer ist als einfach nur ein „schlechtes Game“. (Pascal Scheib)

Bioshock 2 ist für Xbox 360, PlayStation 3 und PC erschienen.