Bevor wir uns den Nachfolger vorknöpfen, wollen wir nochmals einen wehmütigen Blick zurück werfen. Das Game aus 2007 gilt als Videospiel-Kleinod mit einer besonders dichten Atmosphäre. [030] unterzog diese Meinung einer ausgiebigen Prüfung.
Story:
1960, Protagonist Jack sitzt im Flugzeug auf einer Reise über den Atlantik. Auf dem Schoß, ein hübsches Geschenk von Mami und Papi. Und dann, im nächsten Augenblick passiert der Albtraum: die Maschine stürzt unvermittelt ab. Überall Trümmer, Gepäckstücke und eine scheinbar unendliche Ansammlung von Wasser. Aber Jack lebt, als einziger. Welch‘ Glück, dass sich der Crash nur wenige Meter von einem Leuchtturm mitten im Meer entfernt ereignete. Dieser entpuppt sich als Zugangsstation zu einer utopischen Metropole am Meeresgrund, Rapture. Doch, schon als Jack mit der Tauchglocke im Hafen landet, wird klar, dass hier unten ein bedrohliches Klima herrscht. Die besten Zeiten hat die Einrichtung offensichtlich hinter sich gelassen und so findet sich zunächst nur im hilfsbereiten Atlas, eine freundliche Stimme über Funk. Er bittet Jack dessen Familie vor den so genannten „Splicern“ zu retten. Splicer werden die Bewohner von Rapture genannt, die auf ihrer Suche nach der Droge ADAM alles und jeden angreifen – was Jack miteinschließt.
Spieleindruck:
Obwohl der Shooter schon ein wenig betagter ist, macht die Unreal Grafikengine immer noch einen hervorragenden Eindruck. Gerade das Wasser wird so gut dargestellt wie in keinem anderen Videospiel auf dem Markt (abgesehen von Bioshock 2 natürlich) und das aus gutem Grund, denn Wasser ist DAS Kernelement des Spiels. Es umgibt einen. Man nutzt es um Gegner zu eliminieren. Wasser ist omnipräsent. Jedoch kommt „Schwimmen“ nur ganz kurz zu Beginn des Spiels vor, es gibt keine Missionen außerhalb der Rapture-Anlage. Die Geschichte, die sich innerhalb der Unterwasserstadt abspielt, ist jedoch unheimlich spannend präsentiert. Stück für Stück erfahren wir, was sich hier abgespielt hat, bevor alles „den Bach runterging“ (im wahrsten Sinne des Wortes). Es sind die kleinen Geschichten von Bewohnern, die wir in Form von Briefen, Tagebüchern und Memos finden, die diese dichte Atmosphäre kreieren. Es geht um Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte, die die Menschen in diese Utopie von Stadt, fernab von lähmenden Regierungen, Religionen und Gesetzen, trieben. Und darum, wie diese grenzenlose Freiheit für Wissenschaft, Industrie und Individuum, in Chaos und Anarchie endete. Bioshock erzählt eine Geschichte, die weit größer ist, als die des Helden Jack und genau das macht das Game zu einem Meilenstein. Und hier ist auch der größte Kritikpunkt am Gameplay zu finden. Bioshock ist leider dann doch „nur“ ein sehr linearer Shooter geworden.
Ursprüngliche Konzepte sahen vor, dass Rapture nicht nur von feindlich gesonnenen Splicern wimmelt, sondern es auch andere neutrale Bewohner gibt, abgesehen von den Big Daddys und ihren Little Sisters. Es wäre spannend gewesen zu sehen, wie Bioshock als Shooter-Rollenspiel à la Fallout 3 funktioniert hätte. Abgesehen davon, ist das Spiel aber sehr großartig geworden und neben der Grafik können auch die Soundkulisse und die präzise Steuerung punkten. Im Zusammenhang mit der Steuerung sollte man noch erwähnen, dass man neben den klassischen Wummen auch auf besondere Kräfte zur Verteidigung zurückgreifen kann. Plasmide kann man an Gen-Banken kaufen, Mutationen hervorrufen und fortan den Splicern auch mit Elektroschocks, Feuerbällen und anderen netten Bio-Upgrades zusetzen.
Pro:
+ Innovatives Setting im 30er Jahre Art-Déco-Stil
+ Tolle Grafik, ganz besonders die Darstellung von Wasser
+ Gute Sounduntermalung und (deutsche) Sprachausgabe
+ Dichte Atmosphäre
+ Spannende Story
Contra:
- Sehr linear
- Kurze Spieldauer
Fazit:
Bioshock ist einer der Titel, die in keiner guten Sammlung fehlen sollten. Der Shooter ist ein moderner Klassiker, der mit einem frischem eigenständigem Setting glänzt. Die spannende Erzählweise der Story sorgt zudem dafür, dass man vollends in die feuchte Welt „abtauchen“ kann. Da trübt auch das lineare Konzept nur wenig die euphorische Stimmung. (Pascal Scheib)
Bioshock ist für Xbox 360, Playstation 3 und PC erschienen.


