Call of Duty: Modern Warfare 2 (deutsche Version)
















        Mit Call of Duty: Modern Warfare hat Activision eines der beliebtesten Online-Shooter-Games aller Zeiten auf den Markt gebracht. Nun schickt sich Entwickler Infinity Ward an, den grandiosen Vorgänger noch zu toppen. Erwartet uns in dem Spiel ein Überkracher oder eine Hypeblase? 



Story:



Afghanistan, fünf Jahre nach den Ereignissen von Modern Warfare 1. Wir finden uns in der Haut von Joseph Allen wieder. Der talentierte US Army Ranger bringt der afghanischen Polizei bei wie man richtig schießt. Seine Fähigkeiten entgehen auch dem Chef der Task-Force 141 nicht, General Shepherd. Shepherd heuert Allen an um undercover für die CIA eine russische Gruppierung zu infiltrieren, die vom Top-Terroristen Vladimir Makarov geführt wird. Während eines Anschlages der Gruppe werden Allen und wir Zeuge eines blutigen Gemetzels auf dem Moskauer Flughafen. Makarov weiß offensichtlich, welch‘ Maulwurf er seit neuestem im Team hat und erschießt Allen ebenfalls. Er lässt seine Leiche auf dem Flughafen zurück. Für Russland ist klar, dass die USA hinter dem Terroranschlag stecken und erklärt den Amerikanern prompt den Krieg. Überraschend mühelos fallen russische Truppen an der Ostküste der USA ein. Von nun an kämpfen wir zum einen als US Marine auf amerikanischen Boden gegen eine Übermacht russischer Invasoren und abwechselnd auch als Teil der britischen Spezialeinheit SAS. Die Ziele: Makarov aufhalten und die USA befreien.


Spieleindruck:

Die Geschichte liest sich nicht nur hier recht hanebüchen, sondern fühlt sich auch im Spiel exakt so an. Das Game und gerade auch die Story wurden ja im Vorfeld, als auch in den Testberichten der einschlägigen Magazine, ordentlich gehyped. Der Shooter überzeugt auch ohne Zweifel durch eine sehr gute Steuerung (auch per Controller) und bietet wirklich tolle Grafiken, die streckenweise ihres Gleichen suchen. Was den Plot angeht, so scheint es, als hätte Infinity Ward zunächst einmal ein Brainstorming darüber veranstaltet, welche Schauplätze auf jeden Fall vorkommen müssen. Begriffe wie Das Weiße Haus, Bohrinsel, Gulag und Slums dürften sich als Ergebnis auf der Tafel befunden haben. Nachdem die Orte feststanden, veranstaltete man ein weiteres Brainstorming, Ziel diesmal: die coolsten Situationen. Schlagworte wie Wildwasser-Rafting, Schneemobil-Racing, Slow-Motion-Shootouts und Parkour-Einlagen à la „Mirror‘s Edge“ sind dabei wohl gefallen. Jetzt hieß das eigentliche Kunststück, da drum herum eine Story zu stricken – egal wie krude diese auch klingen mag. Und exakt so spielt sich die Einspieler-Kampagne von Modern Warfare 2 (dt. Version): wie eine Aneinanderreihung von coolen Szenen ohne Bedarf an Sinn und Stimmigkeit. Da stört es auch nicht, dass man in den hitzigen Feuergefechten nur schwer die Dialoge zwischen den Charakteren mitbekommt.

Neu hinzugekommen ist ein spezieller Co-Op-Modus für bis zu zwei Spieler. Entweder off- oder online kann man mit einem Freund gemeinsam, 23 actionreiche Szenarien durchstehen. Also genau wie die Einzelspieler-Kampagne, nur ohne störendes Story-Beiwerk. Das Herzstück des Spiels und Langzeitgarant ist jedoch der Online-Multiplayer-Part. Hier kann man nur wieder einmal attestieren, dass Infinity Ward es wie kein Zweiter versteht, einen perfekten Online-Shooter zu machen! In den etablierten Modi wie Deathmatch, Capture the Flag, Domination oder Seek & Destroy  kämpft man um die Vorherrschaft in den Ranglisten. Das Besondere an Modern Warfare 2 (dt. Version) ist dabei die Individualisierbarkeit seiner Ausrüstung, Waffen und Spezialfähigkeiten. Ebenso motiviert das Sammeln von Erfahrungspunkten, für jeden Abschuss oder erfüllte Aufgaben, ungemein.

Noch ein abschließendes Wort zum viel diskutierten Flughafen-Level, in dem man in der deutschen Version von Modern Warfare 2 zwar nicht selbst aktiv eingreift, aber man mitansieht, wie seine „Kameraden“ wahllos Zivilisten erschießen. Laut Aussagen der Entwickler wollte man damit zeigen, dass Makarovs Männer ganz böse Buben sind und es ernst meinen. Dies hätte man sicherlich auch weniger geschmacklos vermitteln können. Immerhin kann man diesen Part per Knopfdruck überspringen. Dennoch, Hut ab, damit dürfte sichergestellt sein, dass Modern Warfare 2 (dt. Version) bei kommenden Amokläufen, in den Berichterstattungen Erwähnung findet – auch eine Form von PR. Mit diesem Level-Abschnitt hat Infinity Ward auf jeden Fall allen (erwachsenen) Videospielern einen Bärendienst erwiesen. Gerade in Deutschland sind die so genannten "Jugendschutzbestimmungen" so hart wie kaum irgendwo in der Welt, abgesehen vielleicht von Australien. Und diese stehen bekanntlich kontinuierlich im Visier der Politiker noch härter werden zu müssen, um junge Menschen von „Gewalt und Hass“ zu „Liebe und Miteinander“ zu bewegen. Games sind für viele nun mal der perfekte Sündenbock und „Wurzel allen Übels“. Dies der alternden, aber regierenden "Generation Brettspiel" überzeugend zu widerlegen, wird sicherlich nicht einfacher, wenn Videospiele solch' überflüssig-brutalen Szenen enthalten. Und das sagt jemand, der grundsätzlich nur Uncut-Versionen zockt.
















Pro:
+            Fantastischer Online-Multiplayer-Modus mit Langzeit-Spaßfaktor
+            Perfekte Steuerung
+            Coole Settings und Charaktere
+            Bombastische Inszenierung
+            Tolle Grafik

Contra:
-               Schwache, unstimmige Story
-               Sehr kurze Spieldauer der Einzelspieler-Kampagne
-               Keine  „Dedicated Server“ für Online-Modus, dadurch starke Lags in den Partien möglich


Fazit:
Infinity Ward liefert uns einen genialen Online-Shooter ins Haus. Die Solo-Kampagne ist zwar auch perfekt spielbar und bietet stylische Szenen am Fließband, jedoch ist die Handlung schwach erzählt. Was Technik und Steuerung angeht, pustet Call of Duty: Modern Warfare 2 (dt. Version) so einige Mitstreiter meilenweit aus dem Wasser. (Pascal Scheib)


Call of Duty: Modern Warfare 2 (deutsche Version) ist für Xbox 360, PlayStation 3 und PC erschienen.